Duoflickflauder7




 
 

"Knapp daneben ist auch vorbei."

Endlich melde ich mich wieder einmal mit einem Blog. Ich habe eine sehr spannende, lehrreiche, intensive, aber auch harte Zeit hinter mir. Um es vorwegzunehmen gleich die Mitteilung... Ich habe mein grosses Ziel, die Teilnahme an den olympischen Spielen in Tokio, nicht erreicht. Nun aber alles der Reihe nach.

 

Gestartet habe ich mein Olympia-Projekt vor rund zwei Jahren. Das war ein Wendepunkt in meiner Karriere. Auf dem Mountainbike kämpfte ich um den Durchbruch in der Elite und konnte den Schritt nicht wie erhofft machen. Ich suchte eine neue Herausforderung und fand dank dem Bahnprojekt von Swiss Cycling eine sehr spannende, neue Challenge. Mir war klar, dass es nicht einfach wird und einem nichts geschenkt wird. Ich war bereit, vollen Einsatz für mein Ziel Olympia Tokio 2020 zu geben. Die Disziplin Madison wird dort zum ersten Mal überhaupt für Frauen olympisch sein.

 

Im Herbst 2017 konnte ich an der Europameisterschaft in Berlin meine ersten Erfahrungen an einem internationalen Anlass machen. Ich wurde vierte in der olympischen Disziplin Omnium. Bei diesem Rennen lief fast alles perfekt. Ich konnte mich und auch einige Personen in meinem Umfeld überraschen. Ich war sehr motiviert und wollte den Schwung unbedingt mitnehmen. Gleichzeitig stieg auch meine Erwartung. Gerne wollte ich einmal eine Medaille an einer Europa- oder Weltmeisterschaft gewinnen. Der Schritt schien mir auch möglich. Vor diesem Rennen hatte ich nur eine Handvoll Trainings auf der Bahn absolviert. Nun mit einem grösseren Aufwand und spezifischer Vorbereitung sollte dies möglich sein. Es folgten weitere erfreuliche Resultate unter anderem wurde ich in Minsk sechste im Omnium Weltcup und fünfte zusammen mit Aline im Madison Weltcup.

 

Im Sommer 2018 starte in Glasgow die Olympia Qualifikationsphase. Ich war dort sehr erstaunt über das gestiegene Niveau und die allgemeine Entwicklung des Bahnradsportes. Leider war es nicht möglich, mich wie gewünscht im Feld zu behaupten. Mit dem 12. Rang im Omnium und 13. Rang im Madison konnten wir nicht so viele Punkte gewinnen, wie wir erhofft haben. Trotzdem blieb ich immer zuversichtlich und war weiterhin überzeugt von meinem Ziel. An den Weltcuprennen fehlte uns zu Beginn das Rennglück. Es kamen leider einige heftige Stürze im Madison dazu. Dank den Streichresultaten konnten wir aber insgesamt zufriedenstellende Resultate ins Olympia-Ranking mitnehmen. Das Highlight war sicher der 6. Rang im Madison in Hong Kong.

 

In der Saison 2019/2020 haben wir sehr viele Rennen bestritten. Im Sommer konnten wir unsere Rennpraxis auf verschiedenen offenen Rennbahnen erweitern. Dort präsentierte ich mich meistens sehr gut und konnte viele Podestplätze einsammeln. Leider konnte ich den Schwung vor allem mental nicht in den Weltcup mitnehmen. Ich habe immer wieder Fehler gemacht und war an den grossen Events mit meinen Resultaten nur selten zufrieden.

 

Mit der Weltmeisterschaft Anfangs März 2020 ist die Qualifikationsphase vorbei. Leider haben wir als Nation keinen Quotenplatz geholt. Im Madison und Omnium sind wir knapp an unserem Ziel vorbeigeschrammt. Wir sind in beiden Disziplinen die erste Nation ohne Quotenplatz.

 

Sehr gerne würde ich nun über ein Happy End berichten. Leider ist dies aber nicht der Fall. Bereits zu Beginn war mir klar, dass eine 2.5-jährige Erfahrung auf der Bahn knapp ist, um international bei den Besten zu sein. Leider müssen wir nun diese Tatsache akzeptieren und weiterschauen. Gerne möchte ich aber an dieser Stelle allen Personen und Partnern danken, welche mich im Hintergrund sehr stark unterstützt haben. Dazu gehören meine Eltern, meine Schwester und mein Freund Jonas. Sie waren immer für mich da und eine wertvolle Unterstützung für mich. Weiter konnte ich immer auf die Unterstützung von Swiss Cycling und dem Staff zählen. Namentlich sind dies Trainer Scott, Daniel und Ross (zu Beginn), Mechaniker Kilian, Physio Dan, Marie-Lise und viele weitere Personen. Natürlich darf ich meine Teamkollegen Aline, Léna und Michelle nicht vergessen, welche zusammen mit mir unzählige Stunden auf der Bahn verbracht haben. Seit 2012 unterstützt mich Proffix auf meinem Weg und ich bin sehr dankbar, dass Peter Herger immer für mich da ist. Weitere Unterstützung erhielt ich auch durch die Stiftung Schweizer Sporthilfe und die Schweizer Armee, welche mir ermöglicht haben, den Sport auf höchstem Niveau auszuüben.

 

Wie geht es nun weiter? Diese Frage habe ich mir während den letzten Wochen immer wieder gestellt. Ich kann euch sagen, dass ich immer noch motiviert bin und das Velofahren weiterhin eine grosse Leidenschaft ist. Gerne würde ich auch weiterhin meinen Sport auf höchstem Niveau ausüben. Aufgrund der aktuellen Lage ist es aber schwierig ein konkretes Ziel zu verfolgen. Alle meine Rennen sind auf unbestimmte Zeit abgesagt. Ich werde auf jeden Fall aus der vergangen Qualifikationsphase lernen, um die gleichen Fehler möglichst zu vermeiden. Momentan wäre ich eigentlich in Belgien und würde dort Frühjahresklassiker bestreiten. Nun brauche ich viel Geduld und bald wird sich wohl zeigen wie es weitergeht. Zum Glück darf ich in der Schweiz immer noch draussen trainieren :-)

 

Bleibt gesund und bis bald

 

Andrea